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Der Bergpfarrer 59 - Heimatroman: Unter falschem Verdacht Toni Waidacher

Der Bergpfarrer 59 - Heimatroman: Unter falschem Verdacht

Toni Waidacher

Published September 22nd 2015
ISBN :
Kindle Edition
70 pages
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 About the Book 

»So, Frau Doktor, jetzt wolln wir das neue Kalb mal hochleben lassen«, sagte Xaver Wendler und schwang die Flasche mit dem Selbstgebrannten.Elena Wiesinger, die junge, attraktive Tierärztin des kleinen Alpendorfes St. Johann, machte gute Miene zumMore»So, Frau Doktor, jetzt wolln wir das neue Kalb mal hochleben lassen«, sagte Xaver Wendler und schwang die Flasche mit dem Selbstgebrannten.Elena Wiesinger, die junge, attraktive Tierärztin des kleinen Alpendorfes St. Johann, machte gute Miene zum bösen Spiel. Eigentlich schmeckte ihr Alkohol zu so früher Stunde gar nicht, aber sie wußte, daß sie sich diesem Ritual nicht entziehen konnte. Noch vor dem ersten Hahnenschrei hatte man sie aus dem Bett geklingelt. Auf dem Wendlerhof stand eine Kuh vor der Geburt ihres ersten Kälbchens. Schon seit vier Tagen hatten sich Komplikationen angekündigt, als Elena bei einer Routineuntersuchung feststellte, daß sich das Kalb gedreht hatte und nun quer im Leib der Mutter lag. Deshalb hatte sie darauf bestanden, gleich informiert zu werden, wenn die Geburt sich ankündigte. »Prost, Frau Doktor«, nickte der Bauer und reichte ihr ein Glas. Der Obstler brannte in der Kehle, aber er tat auch gut, nach dieser Anstrengung. Elena Wiesinger reichte das Glas zurück. »Noch einen?« »Um Himmels willen«, wehrte sie ab. »Bloß net! Ich muß ja noch Auto fahren.« »Dann kommen S aber erst einmal mit hinein und frühstücken mit uns«, lud die Bäuerin sie ein. »So früh, wie S schon herkommen mußten, haben S bestimmt noch nix im Magen.« Damit hatte Walburga Wendler in der Tat recht. Elena brauchte auch nicht lange zu überlegen, ob sie die Einladung annehmen sollte. Inzwischen war es sieben Uhr. Bis sie zurückgefahren war, würde es acht sein. Da konnte sie nicht mehr mit ihrem Mann zusammen frühstücken, weil sie gleich anschließend in die Praxis mußte, und Toni würde ebenfalls um acht den ersten Patienten empfangen. »Vielen Dank, Frau Wendler, das Angebot nehme ich gern an«, nickte sie und folgte der Bäuerin ins Haus. Xaver Wendler betrachtete zufrieden das Neugeborene, das von einem Knecht mit Stroh trockengerieben wurde.»Laß gut sein, Franz«, meinte er. »Den Rest erledigt die Mutter.«Beinahe liebevoll strich er dem Muttertier über den Hals.